Der Morgen des 16. Septembers

22 Sep

Action am Rodeo-Platz! Trompetensound vom Band, Popcorn aus der Tüte, die wilden Cowboys reiten ein: Iiiee – ha! Jetzt wird ne Runde mexikanisch gejodelt, eine Cerveza geköpft und HOCH die Faust, HOCH die Hände, VIVA VIVA MÉXICO!!!
Zum Nationalfeiertag lassen die Mexikaner mal so richtig den Proll raus. Heute herrscht Sombreropflicht, man geht mit O-Bein und Unterhemd, heute wird der Schnauzbart rausgeputzt und richtig Dialekt geredet – viva México cabrones! Seit gestern Abend ist Action im ganzen Viertel. Kleine Kinder zünden Weltkriegsböller, aus jedem Haus kommt Mariachi, die Straßen sind voller Menschen. Totale 3D-Plastik, da mit geschlossenen Augen durchzugehen: Mit jedem Schritt ändert sich das Soundpanorama, von links kommt Banda-Sound, aus dem Eingang rechts Gelächter, ein Taxi fährt vorbei, zwei Lautsprecher auf dem Dach: „Señores und Señoras! Morgen! Das unglaubliche Spektakel! In Tejalpa, Morelos! Der Tag unseres Vaterlandes, Musik, Clowns und Live-Band! In der Stierkampfarena „La A-sun-ción“!“ Weiter hinten lässt ein Knirps ne Bombe hochgehen.

Gestern nacht um elf wurde dann der „Grito de la Independencia“, der Schrei der Unabhängigkeit ausgestoßen, wie in jedem anderen Dorf in Mexiko auch.
Hinterher war Mordsbesäufnis und dann erstmal Ruhe bis heute Vormittag.

***

Da zogen die Chinelos durchs Dorf, eine Spezialität des Bundesstaates Morelos: Grotesk verkleidete Figuren im Ganzkörperkostüm – steife Pappmachégesichter, wilder Tanzschritt -springen wie durchgedreht durch die Straßen, zu einem einfachen aber anstachelnden Tropenrhythmus. Feurig, grimmig,unbezwingbar. Die Blaskapelle zuckelt hinterher, die Trommel hallt, aber ihr Klang verendet ziemlich kläglich in den verwaisten Gassen eines verkaterten Morgens, da hocken jetzt die ganzen restdichten Gestalten ungemein fertig auf vollgespuckten Treppen, hoffen, dass sie Sonne nicht so bald losmacht und gedenken im Restrausch der Unabhängigkeit Mexikos… Hinterher treffen sich alle in der Ayudantia, einem halboffenen Wellblechkomplex, der der Gemeinde gehört, die Band sitzt jetzt auf Plastikstühlen, die Chinelos tanzen auf Zement. Bier und Essen werden gratis ausgeteilt. So übersteht man den Vormittag.

Gegen Nachmittag geht der Trubel am Zócalo los: Hier hat sich die große Menge der Bauern und Händler versammelt, in Stoffhosen, weiten Hemden, Sombrero und Sandalen drängen sie sich um den zentralen Platz des Dorfes. Wladimir Rogelio, der reiche Farmer und Schirmherr des Festes, hat eine Sau gespendet! Frisch rasiert wird das Tier auf den Zócalo geführt. Vor den Augen der johlenden Menge mit Schmalz eingeschmiert. Eine Sau ist Geld wert, jeder will das Vieh haben – noch einmal die Nationalhymne und dann gilt´s: Wer das fettige Schwein erwischt und festhält, kann es behalten. Viva! Viva! Viva México! Und los.

Die Sau schnuppert erst unbekümmert, dann rennt die gesamte Dorfjugend auf das arme Viech los, das Schwein rennt in Panik, entwischt den gierigen Händen, flutscht durch die Arme des Bauern Porfirio, und gibt José einen Bodycheck. Schließlich hält man doch die Sau hoch, das Fest ist im vollen Gange.

(nächstes Mal: die Party Rodeo-Platz mit Video und Text und Überschrift!)

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3 Antworten to “Der Morgen des 16. Septembers”

  1. kurt September 26, 2012 um 4:06 am #

    die arme sau und die halter..
    schein gehabt.eeh schein-scheiss !

  2. kurt September 26, 2012 um 4:07 am #

    jahrestag von gummi

  3. kurt September 26, 2012 um 4:08 am #

    glimm

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