Cuautla

20 Aug

Wenn man sich in den engen Straßen der Innenstadt von Cuautla wiederfindet, verfängt man sich auch in einem Traum vom alten Mexiko, einer lebendigen Erinnerung an das, was dieses Land einmal war und ausmachte. Die niedrigen Häuser, dicht von Verkaufsständen belagert, das bunte Angebot der Waren, das oben mit einem Sonnenschirm oder einer Plane abgeschlossen wird, dann beginnen die groben Pinselstriche, „Tortillas“, „Licor“, „Hotel Alameda“ bis unters Dach, und darüber Stromleitungen und dann nur der tiefe Himmel von Morelos, tierra de trabajo y libertad, dieser Erde, in der Zapata vor hundert Jahren die mexikanische Revolution lostrat.

Viel hat sich nicht geändert seit dieser Zeit in Sombreroland, die Männer sind noch immer die alten gegerbten Rancheros mit Cowboyhut, Hemd und abgetragenen Stoffhosen, zerflederte Huaraches tragen sie durch den Staub, die Frauen braungebrannt und wohlbeleibt, die Haare zum Zopf, den runden Bauch in der Schürze, nur die Kinder tragen chinesische Spidermanmode, und so schieben sie sich alle durch das heiße Dickicht der Stände und Straßen, suchen die Schatten der Schirme, und finden sich schwatzend und greifend zurecht in diesem brodelnden Ameisenhaufen von Cuautla.
Besser noch als die Menschen erzählen die Häuser die Geschichte von Cuautla. Ein oder zwei Geschosse, die Mauern verfallen oder zum hundertsten Mal übermalt, atmen sie einen zarten Moder aus, eine rostige Erinnerung daran, dass diese Straßen schon ihre zweihundert Jahre dem heißen Klima trotzen.

Was für eine Erfrischung ist es dann, auf den Zócalo zu treten, die weite Luft des Stadtplatzes zu atmen, die Stille der kühlen Gänge zwischen den Büschen, im Schatten der Benjaminbäume, die zu Würfeln zugeschnitten sind… auf den verzierten Bänken sitzen zwei, drei Alte mit Sonnenbrillen, kauen auf Grashalmen und irgendwo läuft ein Radio, das alte Rancheros spielt. Hier, im innersten Zentrum von Cuautla, herrscht wieder Ruhe. Zwischen Pavillon und Springbrunnen, unter einer langen Reihe von schnurgeraden Palmen, die weit hinaus in den Himmel schießen, hat man nicht nur das Zentrum der Stadt, sondern auch so etwas wie das Herzen von Mexiko erreicht. Cuautla, die zweitgrößte Stadt des Staates Morelos, hat mehr Ursprünglichkeit bewahrt als ihre große Schwester Cuernavaca. Nur anderthalb Stunden von Mexico City entfernt, ist Cuautla eine Perle der Provinz, eine unverstellte und natürliche Schönheit, die Mexiko so zeigt, wie es in weiten Landstrichen noch immer ist: Ein Agrarland, ein Bauernstaat, ein Ort, an dem Mensch und Erde verschmelzen.

Cuautla gibt nicht vor, etwas zu sein, was es nie sein kann. Viel zu stolz sind seine Bewohne auch auf die Geschichte, die diesen Ort für immer in die Bücher eingetragen hat. Vor 200 Jahren war Cuautla Schauplatz des Unabhängigkeitskrieges, José Maria Morelos, Pfarrer und General der Aufständischen, trotzte hier einer monatelangen Belagerung. Hundert Jahre später war Cuautla die erste Stadt, die der Revolutionär Emiliano Zapata einnahm, hier wurde acht Jahre später auch sein kugeldurchsiebter Leichnam begraben.

Direkt neben dem Zócalo hat man deswegen ein kleines Museum eingerichtet, sonntags ist der Eintritt wie in allen Museen in Mexiko frei. Das Gebäude, das sowohl von Morelos als von Zapata bewohnt wurde, zeigt Kanonen, Fotos und Uniformen. Mehr noch als die Ausstellungsstücke, zeugt das Gebäude selbst von einem historischen Mexiko. Die niedrigen Decken, die an manchen Stellen unverputzten Mauern aus Naturstein und der Innenhof und Garten mit dem alten Brunnen…

Während man sich in Gedanken noch immer in den Zeiten der mexikanischen Revolution wähnt, merkt man gar nicht, dass man schon wieder in das wirkliche, heutige Cuautla hinaus getreten ist. Da sind wieder die Musik der Rancheros und der heiße Nachmittagswind, der schleichende Schneckengang der Alten, der zerbröckelnde Mörtel dieser Jahrhundertstadt. Und dann merkt man, dass in Cuautla wirklich ein bisschen die Zeit stehen geblieben ist.

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4 Antworten to “Cuautla”

  1. brammbus August 21, 2012 um 10:23 am #

    wenn ich was sagen darf..du kennst doch den typen der seinen laden dicht machte..du kennst aber nicht den grünen mann,hab ich recht,,,du hast ihm noch kein klein lied gesungen dem grünen ..oder ..airen.

  2. christus chris August 29, 2012 um 1:59 pm #

    hi eiran würdest sie mir erklähren warum teurer alk anders wirkt i am trinking wild turkey and its so much better than billig zb jacky aslo arien eklär er äs es ihm whyrum the ageing is gonna fucking me up

  3. christus chris August 29, 2012 um 2:03 pm #

    warum so doch reagiert der wurm auf stopp seiner entwickelungung seiner umge bung zuviele des seinigen sind..so wahr doch shoppinghauer im recht ausserhalb der vorstellung exisiert nur wille zur entigen macht die da weiß halt stopp halt stopp sprach der heilige andras exit

    • airen August 30, 2012 um 9:50 pm #

      Schwere Frage, so eigentlich kaum zu beantworten ohne Hinzuziehung von teurem Alk. Sollte Ihr Interesse wirklich einer wahrheitsgetreuen Beantwortung gelten, bitte ich um postwendende Zusendung eines Kastens Wild Turkey oder Pfund MDMA geht auch.

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